By Conny
Posted: Updated:
2 Comments

Angeregt durch dieses Video habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht. Darüber, was Angst ist, wozu sie gut ist und vor allem wie ich mit solchen Gefühlen eigentlich umgehen will.

Angst ist im Grunde eine ziemlich praktische Erfindung. Schützt sie uns doch vor einer Menge Unfug. Und kann im Extremfall Leben retten. Soweit, so positiv. Doch Angst kann uns auch lähmen und in eine unnötige Starre versetzen. Und das ist genau die Art von Angst, die ich nicht gebrauchen kann.

Wie sich Angst anfühlt

Natürlich gibt es verschiedene Stufen. Es beginnt mit einem Herzklopfen (von der negativen Art), es geht über Schweißausbrüche bis zu einem Zittern. Es kann auch „einfach“ nur bedeuten, dass die Gedanken kreisen und kreisen, man nicht mehr schlafen kann, oder wenn man das noch kann, dann jedesmal schlecht träumt.

Fassen wir also zusammen: allesamt Zustände, auf die man gut und gerne verzichten kann.

Angst kommt dabei schleichend. Unterbewusst und dann mit einem BÄM! steht sie dir direkt gegenüber und lacht dir unverschämt mitten ins Gesicht.

Das Dumme daran: Angst kann lähmen. Und obwohl das in manchen Situationen sicher ganz klug durchdacht ist von der Natur, so ist es in der heutigen Welt, in der wir keine Mammuts mehr jagen, manchmal eher hinderlich. Deshalb kommt man auch nicht umhin, sich darüber Gedanken zu machen VOR was man Angst hat und WIE man damit umgehen möchte.

Das wovor

Ehrlich gesagt bin ich ziemlich überzeugt davon, dass wir alle zumindest den allgemeinen Teil an Sorgen und Ängsten miteinander teilen. Und mit Angst meine ich jetzt nicht unbedingt diese fiese Panik, sondern auch ein mittelschweres Unwohlsein. Bei mir entsteht das zum Beispiel in folgenden Situationen:

  • ich muss vor einer Gruppe von (fremden) Leuten sprechen
  • ich komme in eine neue Arbeit o.ä., also Orte, wo ich als Einzige neu bin
  • die Sorge, nicht gut genug zu sein – auf meine abgelieferte Arbeit bezogen, aber auch auf mich als Person

Hinzu kommen dann noch allgemeine Sorgen finanzieller Art, Zukunftssorgen usw. Glücklicherweise verfüge ich über einen ungebremsten Optimismus, sodass sich die wirklichen Sorgen und Ängste in Grenzen halten und es vielmehr das Unwohlsein ist, das mich öfter mal heimsucht.

Das wie

Wie so oft im Leben hat man auch hier die Wahl: man kann sich von diesem unguten Gefühl einhüllen lassen und stets auf gewohnten Wegen wandeln oder man überwindet diese Angst und traut sich – meist mit Erfolg, hin und wieder auch nicht, damit muss man dann leben.

Für mich persönlich verfolge ich die Strategie der Konfrontation. Es ist natürlich viel einfacher, sich in der eigenen Comfort-Zone zu bewegen. Da weiß man wie’s läuft, man kennt sich aus. Allerdings entwickelt man sich da natürlich auch eher weniger weiter. Hinzu kommt: oft, ja meist, ist es ja gar nicht so wild, wie man es sich im Vorfeld ausmalt.

Also gibt es für mich nur den Weg der Konfrontation. Und nein, es ist nicht so leicht wie es sich anhört. Ich stell mich auch nicht hin mit wehenden Fahnen und stelle mich meinen Ängsten. Das kostet Kraft und es kostet Mut. Aber es lohnt sich (meistens).

Es ist einfacher, den bekannten Weg zu gehen, aber klug ist es nicht.

Ein wirklich einfaches, aber äußerst hilfreiches Mittel ist Folgendes: versetze dich mal in die Situation vor der du Angst hast. So richtig. Nehmen wir das Beispiel des Sprechens vor einer großen Gruppe Menschen. Und dann stelle dir vor, was im allerschlimmsten Fall passieren kann:

Du stehst also an deinem Rednerpult und es geht alles schief: deine Unterlagen segeln nach unten und sind vollkommen durcheinander, alle starren dich an, dir wird heiß und kalt und du gerätst total außer Fassung. Du versuchst krampfhaft deine Unterlagen zu sortieren, es gelingt dir aber nicht, weil du total am Zittern bist. Das Publikum beginnt zu tuscheln, wird unruhig. Irgendwann verlässt du aufgelöst den Saal und kapitulierst.

Ja, so stellst du dir sicher keinen guten Vortrag vor, aber wir wollten uns ja auch das Schlimmste aller Szenarien vorstellen. Und jetzt überlegst du dir, wie es sich anfühlt, nachdem du „versagt“ hast. Und wie es weitergeht für dich:

Du sitzt jetzt also hinter der Bühne oder im Nebenraum. Du bist unheimlich frustriert und beschämt. Leider tut sich der Boden unter dir nicht auf. Also musst du mit dieser „Blamage“ wohl leben. Du hast jetzt zwei Möglichkeiten: entweder du ordnest JETZT deine Unterlagen, atmest tief durch und gehst nochmal selbstbewusst nach vorn um dich zu entschuldigen und einen Neustart zu wagen. Oder du gehst heim. Beides legitim. Bei Letzterem darfst du dich fragen: was denken die Leute?

Und ha! Das ist genau die fiese Frage aller Fragen und eine, die ich mir auch sehr oft stelle und mich danach gedanklich dafür ohrfeige.

Scheiß doch drauf. Die Mehrheit der dort Sitzenden siehst du eh nie wieder. Und falls Freunde in den Reihen saßen, so kannst du dich nach einem Abend dieser Art direkt vergewissern, ob es echte Freunde sind.

Sei eine Ananas!

Trage deine Krone, stehe aufrecht und habe dennoch einen süßen Kern. Es ist okay, Angst zu haben. Du darfst auch darüber sprechen. Es ist auch okay, sich für einen Moment davon einnehmen zu lassen.

Aber wer Entwicklung statt Stillstand will, der muss weitergehen. Und oft zeigen uns unsere Ängste sehr deutlich, wo wir genauer hinsehen sollten.

Beitragsbild via Unsplash.

Ähnliche Beiträge

Ich machte mein Abitur und wusste damals nur eins: auf keinen Fall etwas wie BWL oder was mit...

Ich habe eine neue Leidenschaft. Früher, wenn es hieß wir gehen spazieren, dann verdrehte ich...

Lang, lang ist es her. Verhältnismäßig. Ich war im Urlaub, ich war wandern. Ich hab das Wetter...

2 Comments
 
  1. Jenni / 14. September 2016 at 19:01 /Antworten

    Sehr schön geschrieben!

Leave a Reply