By Conny
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Okay. Vielleicht seid ihr in letzter Zeit über Begriffe wie Bodyshaming, Bodypositive oder Body Positivity gestolpert. Vielleicht habt ihr euch gefragt: was ist das jetzt schon wieder? Die Begriffe beschreiben eine (feministische) Bewegung, die längst überfällig war. Und die dann doch nicht so leicht umzusetzen ist.

Das Problem mit Dick und Dünn

Wir kennen das ja alle aus unserer eigenen Kindheit, vielleicht auch noch aus unserem aktuellen Alltag. Unsere Wahrnehmung ist, dass die „Dicken“ gehänselt werden, dass wir die „Dicken“ anstarren, dass wir den „Dicken“ nahe legen, keine zu knappe Kleidung zu tragen.

Bodyshaming funktioniert aber auch in die andere Richtung.

Wenn du mit Durchschnittsfigur nämlich jemand besonders „Dünnen“ siehst, dann denkst du dir doch auch oft Dinge wie:

  • bestimmt magersüchtig
  • Himmel, kann der/die mal was essen?
  • zu dünn
  • das findet doch kein Mann attraktiv

und so weiter. Dabei gibt es eben auch Leute, die gar nichts dafür können, dass sie so dünn sind. Und mal ganz abgesehen davon, auch Menschen mit Magersucht z.B. haben sich diese Krankheit sicher nicht bewusst ausgesucht. Also urteilt man da vielleicht begrifflich richtig, aber empathisch ist das nicht.

Echte Frauen haben Kurven

Ich kann mich noch erinnern: dieser Satz war zu meiner Schulzeit in der Oberstufe sehr populär. Ich hab ihn auch oft benutzt, weil ich mich (rückblickend) wohl doch irgendwie dafür rechtfertigen wollte, dass ich nicht groß mit langen Beinen und super schlank geboren bin.

Was sind denn echte Frauen? Auch eine Frau mit einer knabenhaften Figur ist eine echte Frau. Schönen Artikel zum Körper als Imageträger gibts hier.

Anderer Spruch wäre „Strong not skinny“ – also stark, nicht dürr. Ist genauso problematisch. Weil es den „dürren“ Frauen nämlich abspricht, ein gewisses Maß an Muskelmasse zu haben.

Und überhaupt:

Was sind das für Begrifflichkeiten?

Ist euch schonmal aufgefallen, wie wir im Alltag andere Menschen bewerten? Mit Begriffen belegen? Wie viel Wert wir eigentlich auf

  • dünn
  • dürr
  • fett
  • dick
  • korpulent

legen? Und wer legt eigentlich fest, wo dünn aufhört und dürr anfängt? Es ist nirgends festgelegt, es ist nur in unserem Kopf, der wohl insgeheim einen Vergleich anstellt. Zwischen einem selbst und der anderen Person.

Und falls man jetzt denkt, dieses Bodyshaming wäre wieder nur etwas, das die Frauen dieser Welt betrifft: falsch! Männer leiden genauso unter Bodyshaming. Denn von Männern gibt es genauso ein ideales Körperbild. Vielleicht wird das nicht so ausgeschlachtet. Aber hier kann man ganz gut nachlesen, dass auch Männer damit zu kämpfen haben, wenn sie eben nicht breitschultrig und muskelbepackt sind.

Woher kommt das Bodyshaming?

Vielleicht müssen wir sogar etwas ausholen. Ich kenne kaum jemanden, der nicht zumindest so ein kleines bisschen ein gestörtes Verhältnis zu seinem Körper, oder/und seinem Essverhalten hat. Ist ja auch irgendwie kein Wunder, denn uns werden ja bereits in den Kinder- und Jugendmagazinen Diäten unterbreitet.

Hinzu kommen die ganzen Ernährungsweisen – Low Fat, High Carb usw. Irgendwie ernährt sich doch niemand mehr normal. Das Gegenkonzept ist übrigens Intuitive Eating. Auf den Körper hören und dementsprechend handeln (und essen), soweit der Plan. Probiert man es aus, merkt man erstmal wie schwierig es ist nach Jahrzehnten im Diät-Dschungel, vielleicht sogar nach einer Essstörung.

Du bist doch gar nicht dick!

Oder: was geht dich das an? Darf ich mich gegen Bodyshaming einsetzen, auch wenn ich selbst weder dick noch dünn bin? Natürlich! Wo kämen wir denn hin, wenn ich mich nur für Sachen engagieren darf, die mich selbst unmittelbar betreffen?

Natürlich ist diese ganze Bodypositive-Bewegung keine Einladung zum hemmungslosen Fressen. Und natürlich ist Übergewicht irgendwann auch nicht mehr gesund. Wenn wir allerdings in einer Welt leben, in der Größe 38 schon als moppelig gilt, dann frage ich mich, ob wir noch alle Tassen im Schrank haben.

Wir reden also nicht über Extreme. Ein ausgemergelter Körper ist genauso ungesund wie einer, der ausschließlich aus Röllchen besteht.

Aber worüber wir reden ist, dass es nicht schlimm ist, wenn du ein Bäuchlein hast. Dass es nichts macht, wenn du als Frau Haare an den Armen hast.

Weil wir uns nicht über unseren Körper definieren (sollten). Wir sind nicht unser Körper. Wir sind mehr. Wir sind nicht mehr oder weniger wert, weil wir diese oder jene Figur haben.

Punkt.

Titelbild via Unsplash.

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