By Conny
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Ich machte mein Abitur und wusste damals nur eins: auf keinen Fall etwas wie BWL oder was mit Mathe, Chemie oder Physik. Ansonsten war ich recht planlos. Letztendlich entschied ich mich für das kleinere Übel, den Weg des geringsten Widerstands und studierte Geschichte. Weil es das in meiner Heimatstadt gab und weil es mir machbar erschien ohne sich zu überarbeiten oder durchzudrehen.

Ich habe mich weder überarbeitet, noch bin ich durchgedreht. Ich habe ein Auslandssemester gemacht und nach dem Bachelor war klar: bloß keinen Master, Schnauze voll von der Uni!

Es sollte anders kommen.

Da ich schon sehr lange den Großteil meines Geldes in Bücher steckte, schien mir der Gedanke einer Buchhandelskarriere sehr schlüssig und logisch zu sein. Ich war also erst Aushilfe, dann dachte ich mir: hey, so eine Ausbildung zum Buchhändler, das ist genau das Richtige für dich.

Es sollte anders kommen.

Ich hatte viel Spaß. Am Anfang. Ich hatte ganz wenig Spaß. Zum Schluss. Ich brach ab und, in Ermangelung eines anderen Jobs, dachte ich mir: okay, halt doch noch den Master. Dann ergriff ich die Chance und verließ doch endlich meine Heimatstadt, aus der ich insgeheim schon lange weg wollte, die mich jedoch irgendwie immer fest umklammert hielt.

Ich zog nach Düsseldorf und machte meinen Master in Geschichte. Plötzlich schlich sich da der Traum von einer Buchhandelskarriere wieder in mein Hirn und ich begann, alles daran zu setzen: ich fuhr drei Monate lang jeden Tag nach Köln um ein Praktikum in einem Buchverlag zu machen und ich bewarb mich gen Ende meines Masters auf so ziemlich jedes verfügbare Volontariat in ganz Deutschland.

Irgendwann fuhr ich nach München zu einem Vorstellungsgespräch für ein Volontariat, das so cool klang, dass ich es selber nicht glauben konnte. Als ich dann einige Tage später die Zusage bekam, war ich am Ziel meiner Träume und sehr glücklich.

Es sollte aber auch hier mal wieder anders kommen.

Ich fuhr also nun jeden Tag ins Büro, sah mich in der Rolle der erfolgreichen Businessfrau und dachte: alles richtig gemacht. Blöd nur, dass ich sehr schnell merkte, dass das, was ich da tagtäglich tue, so gar nicht das ist, was ich mir vorgestellt hatte. Eigentlich weiß ich selber gar nicht, was ich mir vorgestellt hatte, fest stand nur, dass ich keinen Spaß hatte. Da man so ein Volontariat aber nun mal nicht von jetzt auf gleich kündigt, gab ich mir und dem Job noch eine Chance. Und noch eine. Und noch eine. Irgendwann kam ich zu dem Schluss, dass das nichts wird mit mir und der Buchwelt.

Es kam ganz anders.

Ich brauchte ja aber irgendwie was, das meine Miete finanziert. Also suchte ich nach etwas für den Übergang. Meine Ansprüche waren niedrig, ich wollte nur über die Runden kommen und mir dann klar werden, was ich jetzt eigentlich wirklich machen will mit meinem Master, mit meinem Leben und überhaupt.

Ich stolperte über eine Stellenanzeige als Schulbegleitung. Ich dachte mir: hey, easy, das packst du. Immerhin waren keine Vorkenntnisse erforderlich, wird also nicht so schwer sein. Naja. Ihr ahnt es schon, es kam anders. Es war schwer, es war anstrengend, ich war echt fertig, aber:

Ich hatte den Spaß meines Lebens. Ich bin jeden einzelnen Tag dieses Schuljahres gern zur Arbeit gefahren. Es ist das erste Mal, dass ich es unpassend finde, überhaupt von Arbeit zu sprechen, da es einfach super viel Spaß macht.

Nun war das ja irgendwie gar nicht so geplant. Durch Zufall fand ich also das, was ich machen will. Ich wollte Lehrerin werden. Immerhin hab ich ja jeden Tag, ein ganzes Schuljahr lang, gesehen, was die da so treiben. Was da alles dazugehört. Und das es eben nicht nur viele Ferien gibt, sondern jede Menge Arbeit, die oft heimlich, still und leise im Hintergrund passiert. Für die dir niemand Danke sagt, weil es eben keiner merkt.

Es war mir egal: ich wollte es.

Und ich bin jetzt tatsächlich wieder Studentin. Wieder ein Ersti – ich mag diesen liebevollen Begriff. Vielleicht mag ich ihn auch nicht. Ich muss mir das gut überlegen. Und ich fühle mich ganz schlimm. Wahrscheinlich so, wie ich mich mit 6 Jahren zur Einschulung gefühlt habe.

Ja, ich weiß wie es an einer Uni läuft. Ja, ich drehe nicht durch, weil ich mir jetzt den Stundenplan selber bauen muss und nein, ich verlaufe mich (hoffentlich) auch nicht ständig auf dem Campus. Nichtsdestotrotz sind es doch einige unbekannte Konstanten, die mich grübeln lassen. Unnötigerweise, aber hey, ich bin nunmal so.

Werde ich schnell Kontakte knüpfen? Finde ich alle doof? Finden mich alle doof? Bin ich die Älteste? Werde ich in Arbeit ersticken? Wird mich die Theorie nach einem Jahr Praxis langweilen und mich zweifeln lassen? Es soll ja schließlich nicht schon wieder alles anders kommen.

Es ist nicht leicht, wenn man das Gefühl hat, ständig von vorn anfangen zu müssen, weil nach Plan A auch Plan B irgendwie Mist war. Trotzdem: wär ich nicht so oft falsch abgebogen, dann wär ich jetzt nicht auf der Zielgeraden.

Und dieses Mal bin ich mir recht sicher, dass ich endlich angekommen bin.

 

Einen wunderbaren Artikel, der auch in diese Kerbe schlägt gibt es übrigens bei Sabine von A Hungry Mind.

Beitragsbild via Unsplash.

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