By Conny
Posted: Updated:
1 Comment

Wir leben in einer Welt, in der wir uns damit brüsten, dass die Gleichberechtigung quasi volle Kanone Einzug gehalten hat. Dabei meinen wir in der Regel zwei Bereiche: die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und die zwischen „unserer“ und anderen Ethnien. Dabei verschließen wir ganz gern die Augen vor eventuellen Ausreißern. Und wenn dann eine Nachricht die Runde macht, so wie die letzten Tage, dann tun wir alle ganz erstaunt.

Es zeigt uns, dass wir noch lange nicht so weit sind, wie wir es gerne wären. Und auch Europa, auch Deutschland, hat noch Einiges zu tun.

Ich spreche von einer Nachricht, die mich fassungslos gemacht hat. Die mich fragen lässt, wie und warum man sich an so einem kleinen (nichtigen) Detail hochziehen kann.

Glatte Haare für die Gleichberechtigung

Viele von euch werden es sicher mitbekommen haben. In der Hauptstadt Südafrikas wurde ein schwarzes Mädchen an einer ehemals den Weißen vorbehaltenen Schule ob ihrer Haare kritisiert. Die Haare der schwarzen Schülerinnen würden wie Vogelnester aussehen. Sie wurde aufgefordert, ihre Haare zu kontrollieren.

Im Zuge dessen kam heraus, dass auch das Sprechen afrikanischer Sprachen rigoros unterbunden werde.

Jetzt kann man sich vorstellen: das Mädchen ist 13, wahrscheinlich eh schon inmitten einer hormonell bedingten Identitätskrise. Haare sind sowieso ein heikles Thema. Und dann sowas. Als hätte die Welt, ja als hätte Südafrika keine anderen Probleme.

Da ich selbst keinen Afro habe, kann ich nur aus meiner Vorstellung sprechen und aus dem, was man so lesen kann. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass bei solchen krausen Haaren ein Glätteisen nur wie ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Kein Wunder also, dass man überall von chemischen Verfahren liest, die oft sehr schmerzhaft und zudem schädlich für die Kopfhaut sind, nur um eine ins Weltbild einiger Idioten passende Haare zu haben.

Und, warum überrascht es mich nicht, es ist kein Einzelfall. Nachdem der Vorfall publik wurde, meldeten sich noch andere Orte bzw. Schulen. Diskriminierung scheint also an der Tagesordnung zu sein.

Ich frage mich warum.

Inwiefern machen die Haare (oder sollte ich besser nach der Hautfarbe fragen?) jemanden zu einer anderen Persönlichkeit? Kannst du dir aussuchen, ob du mit dünnen, dicken, lockigen, glatten usw. Haaren geboren wirst? Nein verdammt nochmal. Genauso wenig kannst du dir aussuchen, ob deine Eltern Katholiken sind, oder ob sie ganzkörpertättowiert sind, ob sie schwarz oder weiß sind.

Und es ist auch scheißegal.

Was den Menschen wirklich ausmacht

…ist nicht, wie er aussieht. Und schon gar nicht, welche Hautfarbe oder Haarstruktur er hat. Kleidung kann man sich vielleicht aussuchen, aber diese Dinge nicht. Also sollte, kann und darf man es nicht be- und schon gar nicht verurteilen.

Der Mensch wird durch seine Handlungen zu dem, was er ist. Durch seine Taten, ein bisschen vielleicht auch durch seine Worte.

Ich finde es wirklich unfassbar, das so ein Mist im Jahre 2016, in Worten: ZWEITAUSENDSECHZEHN noch existiert. Und wir Europäer müssen uns dabei auch gar nicht so erhaben fühlen. Stichwort Alltagsrassismus.

Bis zur Gleichberechtigung ist es anscheinend noch ein weiter Weg…

Zum Weiterlesen:

Beitragsbild via Unsplash.

Ähnliche Beiträge

Jetzt ist also die zweite Woche auch schon vorbei. Diesmal wird mein Bericht nicht ganz so...

Es wird Zeit für ein erstes Update zu meiner Amazonas Darmreinigung. Ich habe der ganzen Sache...

In den letzten Monaten ist sicher kaum ein Tag vergangen, an dem nicht irgendeine neue Detoxkur den...

One Comment
 
  1. Jenni / 13. September 2016 at 09:06 /Antworten

    Liebe Conny!

    Da haben wir wirklich noch Einiges zu lernen, ich gebe dir absolut recht. Und es ist wirklich eine Schande, dass viele Menschen in Europa und dem, was man allgemein „westliche Welt“ nennt, noch immer von der Warte imperialistischen Gehabes auf „die anderen da unten“ (sowohl in ethnischer als auch geographischer Hinsicht) schauen.
    Es hat sich natürlich bereits viel getan – aber man hat ebenso den Eindruck (vor allem, wenn solche Vorfälle publik werden, deren schwaze Zahlen noch wesentlich höher sein dürften), dass manche Muster einfach nicht aus den Köpfen der Menschen herauszubekommen sind.
    Das ist unglaublich schade und traurig und zeigt, dass alle noch viel zu lernen haben.

    Liebe Grüße
    Jenni

Leave a Reply