By Conny
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Es wird wieder persönlich. Es geht ans Eingemachte. Es geht um Verhütung.

Gerade weht ja eine regelrechte Welle durch sämtliche Social Media Kanäle, was das Absetzen der Pille angeht. Ob es die Fitnessgruppen sind, in denen sich die Mädels fragen, ob die Pille Schuld sein könnte am fehlenden Muskelaufbau, die Naturheilkunde-/Homöopathiegruppen, die ja von Haus aus der Sache mit der hormonellen Verhütung kritisch gegenüber stehen, oder aber sogar die Gruppen, die da explizit „Pille absetzen“ heißen.

Rückblick

Ich bekam mit 13 Jahren die Pille, weil ich Regelschmerzen hatte. Und den einen oder anderen Pickel – rückblickend wahrscheinlich ganz stink normale Pubertätspickel. Der Frauenarzt sprach aber von Akne und schwupps, hatte ich meine erste Pille in der Hand. Sie wurde mir verschrieben, obwohl Sex zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Thema für mich war und obwohl es sicher andere Medikamente gegeben hätte, um die Regelschmerzen in den Griff zu bekommen.

Ich nahm also ab jetzt die Pille.

Ich kam immer gut zurecht und anders als viele Frauen, die mit der hormonellen Verhütung von Beginn an Probleme hatten, musste ich nur 1x die Pille wechseln, weil es nach jahrelanger Einnahme (dazu später mehr) zu Zwischenblutungen kam. Ich nahm durch die Pille nicht zu, ich wurde nicht depressiv und auch sonst hatte ich (scheinbar) keine Nebenwirkungen.

Es war ja auch total praktisch: ich konnte meine Menstruation so verschieben, wie ich es gerade brauchte, ich hatte weniger Schmerzen und ich hatte nicht mehr das Gefühl, halb zu verbluten. Alles easy.

Ich habe zwar damals die Packungsbeilage gelesen, ich las auch etwas von Thrombose und solchen Dingen, jedoch war ich wahrscheinlich einfach zu jung um das tatsächliche Risiko abzuschätzen.

Jetzt

Ich nahm die Pille lange 14 Jahre. Durchgängig. Ohne Pause. Zu Beginn war ich zu jung mich mit den Nebenwirkungen auseinander zu setzen, später war ich zu bequem. Ich vertraute der Pille komplett, ich war immer geschützt und musste mir keine Gedanken machen, falls doch mal ein Kondom platzen sollte.

Doch nach und nach, eben auch durch diese Welle der, wie soll ich sagen, kritschen Stimmen, wurde mir bewusst, was ich da eigentlich jeden Tag schlucke. Was ich auch jahrelang grundlos geschluckt habe, da ich ja nicht die ganzen 14 Jahre durchgehend in Partnerschaften war. Ich las nochmals den Beipackzettel und langsam wuchs die Wut.

Ich hatte nämlich doch die ein oder andere Nebenwirkung:

  • Krampfadern (teilweise sicher Veranlagung, aber ich kann mich nicht erinnern, damals beim Arzt aufgeklärt worden zu sein, dass sich damit das Thromboserisiko noch erhöht – mittlerweile traue ich mich nicht mehr, kurze Hosen oder Röcke anzuziehen, da es einfach grauenhaft aussieht.)
  • Schilddrüsenunterfunktion (niemand in meiner Familie hat etwas mit der Schilddrüse, ich lese aber zunehmend von Fällen, die dem meinen gleichen.)
  • fleckige Stellen an den Füßen (ich war deswegen natürlich auch beim Arzt, der mir nur sagte „Habe ich noch nie gesehen, sieht aber nicht gefährlich aus.“) – nach Recherche auf eigene Faust könnten diese Flecken auf eine Venenschwäche hindeuten.

Und trotzdem habe ich lang überlegt, ob ich die Pille nun absetzen soll. Ich hatte es jahrelang im Hinterkopf, aber irgendwie hab ich mich nie getraut und könnte mich inzwischen selbst ohrfeigen, dass mir Dinge wie eine makellose Haut derart wichtig waren, dass ich mir lieber jahzehntelang einen Hormoncocktail einverleibt habe.

Am 01.04.2016 habe ich meine letzte Pille genommen. Und ich bereue es kein bisschen. Obwohl ich die ein oder andere Entzugserscheinung zu spüren bekomme:

  • Haarausfall
  • Pickel (halten sich zum Glück noch in Grenzen)
  • Ausbleiben der Menstruation
  • Unterleibsschmerzen

Trotzdem kommt für mich die Pille nicht mehr in Frage.

Ich will der hormonellen Verhütung ganz sicher nicht die Schuld für all meine „Leiden“ in die Schuhe schieben. Die Pille ist in meinen Augen dennoch ein gutes Verhütungsmittel.

Aber ich prangere an, dass die Pille jungen Mädchen (wie auch mir) einfach mal eben so als Lifestyle Produkt verschrieben wird. Dass keine vernünftige Aufklärung stattfindet. Dass über die Risiken abseits einer Thrombose nicht oder nur wenig gesprochen wird. Dass heutzutage von einer Frau fast schon erwartet wird, sich um die Verhütung zu kümmern, sprich die Pille zu nehmen.

Je mehr ich darüber lese, desto mehr könnt ich mir selber in den A**** beißen, nicht viel früher damit aufgehört zu haben. Aber wie sagt man so schön:

Besser spät, als nie.

 

Was sind deine Erfahrungen mit der Pille?
Was wären sinnvolle und vor allem wirkungsvolle Alternativen?

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2 Comments
 
  1. Diana von Dogdays of Summer / 13. Juni 2016 at 23:59 /Antworten

    Oh wow, danke für diesen Beitrag. Das mit der hormonellen Verhütung ist ja so eine Sache – und gar nicht so einfach, denn die Alternativen sind ja relativ beschränkt. Trotzdem hat mich dein Artikel noch viel mehr von meinem Standpunkt überzeugt – nämlich davon, die Pille auch weiterhin zu meiden…

    • Conny / 15. Juni 2016 at 19:06 /Antworten

      Ja, sehe ich ähnlich. Ich beschäftige mich gerade viel mit NFP. Ist zumindest gut um den eigenen Körper wieder kennen zu lernen. Was ich davon als Verhütungsmethode halten soll, weiß ich allerdings auch noch nicht so ganz.

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